Renaissancemusik

 

Barfüsserkirche

Historisches Museum Basel

Jeden letzten Sonntag im Monat

um 17.15 Uhr

 

Eintritt frei, Kollekte

 

 

31. Mai 2020
Misura, Memoria, Aiere, Mayniera


Guglielmo Ebreo (*1420): Das Erbe italienischer Tanzmeister

 

Vor 600 Jahren kam Guglielmo Ebreo in Pesaro zur Welt. Neben seinem Meister Domenico da Piacenza gilt er heute als einer der wichtigsten Tanzmeister des 15. Jahrhunderts. In dieser Tanzkultur wird die sichtbare Bewegung des Körpers als Seelenspiegel verstanden. Zur Ausübung dieser Kunst braucht es Misura, die Konkordanz von Musik und Bewegung, Memoria, die aufmerksame Verinnerlichung der Abfolgen, Aiere, die Präsenz und Geschicklichkeit der Ausführung, und Mayniera, das kunstvolle Ausschmücken der Schritte. Zu den überlieferten Choreographien gibt es einstimmige Melodien, sogenannte Tenores, über die weitere Stimmen improvisiert und komponiert werden können, sodass neue alte Musik entsteht. Drei Musiker*innen und drei Tänzer*innen gestalten ein Programm, das in Tanz und Musik die Anmut einer ganzen Epoche reflektiert.

 

Martin Meier und Christian Tanner – Tanz
Félix Verry – Fidel
Silke Gwendolyn Schulze – Blasinstrumente, Perkussion

Véronique Daniels – Tanz

Marc Lewon – Instrumente

28. Juni 2020
Odhecaton


«Einhundert Lieder», die die Welt veränderten

 

Sommer 1501: Während Basel als elfter Ort der Eidgenossenschaft beitritt, hat in Venedig bereits ein neues musikalisches Zeitalter begonnen. Unter dem Titel Harmonice Musices Odhecaton («Einhundert Lieder harmonischer Musik») veröffentlicht Ottaviano Petrucci eine Sammlung mehrstimmiger Vokal- und Instrumentalmusik. Damit beginnt eine heimliche Revolution, denn Petrucci verwendet für sein Erstlingswerk eine neue Art des Notendrucks mit beweglichen Lettern. Fortan bestimmen neben Manuskripten also auch die leichter vervielfältigbaren Drucke die Überlieferungsgeschichte der Musik. Grund genug, eine Auswahl jener knapp einhundert «Lieder» von so bekannten Komponisten wie Josquin, Ockeghem und Obrecht zu präsentieren. Musik, die dank ihrer Zugänglichkeit zu den Hits ihrer Epoche zählt.

 

Doron Schleifer – Gesang
Ryosuke Sakamoto – Laute, Gross Geige
Elizabeth Rumsey – Gross Geige

Tabea Schwartz – Blockflöte, Gross Geige

26. Juli 2020
Unerhörtes aus dem Loiretal


Neue Musik aus dem Leuven Chansonnier

 

Es geschehen immer wieder Zeichen und Wunder: Man glaubt, alle erhaltenen Quellen seien bekannt, alles, was noch da ist, sei im Wesentlichen erfasst – da taucht eine neue Quelle auf! Vor wenigen Jahren wurde eine Handschrift versteigert, die sich als Chansonnier der burgundischen Epoche herausstellte: eine Sammlung mehrstimmiger französischer Lieder aus dem Loiretal des späten 15. Jahrhunderts. Darin: bekannte Klassiker der grossen Komponisten, aber auch Überraschendes und Unbekanntes. Im Konzert erklingt eine Auswahl von Liedern des Leuven Chansonniers mit Sängern und Instrumenten, darunter auch einige noch «unerhörte» Melodien.

 

Tessa Roos – Superius
Jacob Lawrence – Tenor
Raitis Grigalis – Contratenor Bassus

Mara Winter – Traversflöte

Elizabeth Rumsey – Groß Geige

Marc Lewon – Laute, Groß Geige

30. August 2020 

Winds and Waves


Auf den Spuren des Schiffstrompeters Zorzi Trombetta

 

Was tun, wenn man ausgebildeter Trompeter ist und keine Arbeit hat? Warum nicht auf einem Schiff anheuern. Im Zentrum dieses Programms steht die persönliche Handschrift des italienischen Schiffstrompeters Zorzi (Georg) Trombetta. Offenbar hatte er neben offiziellen Funktionen (z. B. dem Signalgeben) auch für den Tanz aufzuspielen. Sogar mehrstimmige Chansons befanden sich in seinem Repertoire, wofür er offenbar mit weiteren lauten Bläsern einer «Alta Capella» zusammenspielte – einer festen Ensemblebesetzung aus Schalmei, Pommer und (Zug-)Trompete.

Hanna Geisel – Pommer
Ann Allen – Schalmei

Nathaniel Wood – Posaune

 

27. September 2020
Der mit den Wölfen heult


Hommage an den letzten Spruchsänger Michel Beheim (*1420)

 

Geboren vor 600 Jahren war Michel Beheim der letzte seiner Art, ein Sänger in der Tradition der Spruchdichter, die sich an den Höfen des Spätmittelalters verdingten und gegen bare Münze ihren Dienstherren Ehre verliehen. Beheims Worte: «wer bei den Wölfen wohnt, muss mit ihnen heulen» – ein Sprichwort, das wir als «wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’» kennen. Über 400 Lieder sind auf seine 11 Meistersingermelodien erhalten, zu jedem Thema: sei es ein Preislied auf die Universität, ein Scherzgedicht über eine unzüchtige Äbtissin, eine Warnung vor schlechten Sängern, eine Schimpftirade gegen Instrumente oder ein Gotteslob. Zwischen Beheims Liedern und Geschichten erklingt Instrumentalmusik, die zu seinem Leidwesen an den Höfen seiner Zeit immer beliebter wurde; neben der Alta capella war das Duo aus grosser und kleiner Laute sehr beliebt, weil sich damit die ganze Bandbreite mehrstimmiger Musik spielen liess.

 

Ivo Haun – Gesang
Crawford Young – Plektrumlaute

Marc Lewon – Plektrumlaute, Gesang

 

25. Oktober 2020
Il Capriccioso


Norditalienische Instrumentalmusik a commodo de virtuosi

 

In der Sammlung «Capricci in musica» von 1546 veröffentlicht Vincenzo Ruffo textlose Stücke mit virtuosem und spritzigem Charakter. Der kapriziöse Kompositionsstil zeigt sich dabei vor allem in Ruffos Bearbeitungen bekannter Madrigale seiner Zeit für ein instrumentales Trio. Die ursprüngliche Liedmelodie wird dabei von einer (instrumental ausgeführten) Stimme getragen, um die sich die anderen Stimmen im modernen Stil der Virtuosen bewegen. Ausserdem greift Ruffo auf Tanzmusik und Bassmodelle zurück. Diese Muster lässt er durch die Stimmen wandern, sodass seine Musik zwar eingänglich klingt, aber doch immer wieder überrascht. Ein dreistimmiges Blockflötenconsort im Dialog mit Tasten- und Perkussionsinstrumenten porträtiert Ruffo und die instrumentale Musik in seinem Umfeld.

Mira Gloor und Rachel Heymans – Blockflöten
Catalin Vicens – Perkussion, Tasteninstrumente

Tabea Schwartz – Blockflöte

29. November 2020

Nowell, nowell


Adventliche Carols des 15. Jahrhunderts

 

«Christmas Caroling» ist auch heute die englische Bezeichnung für das Singen in der Weihnachtszeit. Das war in der frühen Neuzeit nicht anders. Doch während man heute unter «Caroling» jenes feierliche Singen vornehmlich als eine weihnächtliche Begleitung versteht, wurden diese Liedblüten im England des 15. Jahrhunderts das ganze Jahr hindurch zu allen möglichen festlichen Anlässen aufgeführt: an religiösen Festtagen, politischen Events, kirchlichen Prozessionen und zu anderen Feierlichkeiten. Die englischen «Carols» waren meist nicht den ausgebildeten Musikern vorbehalten, was sich insbesondere in der Form des Mitsingens der «Burdens» (Refrains) zeigte. So laden wir die Zuhörer ein, eine Aufführungspraxis mitzufeiern, die die Menschen bereits vor 600 Jahren zusammengeführt hat.

 

Tessa Roos – Gesang, Glocken
Marc Lewon – Gesang, Plektrumlaute, Cetra, Viola d'arco
Rui Stähelin – Gesang, Plektrumlaute

Grace Newcombe – Gesang, Harfe, Clavisimbalum

Elizabeth Rumsey – Vielle, Viola d'arco

 

27. Dezember 2020 

Cantate!


Musik von Orlando di Lasso, zum Zuhören... und Mitsingen (mit Workshop)

 

Ein Gesangsquintett zelebriert weihnachtliche Musik des 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht das »Officium Natali Christi» des Münchner Hofkapellmeisters Orlando di Lasso. Das Programm wird mit adventlichen Motetten seiner Zeitgenossen Palestrina, Vittoria u.a. ergänzt. Wer möchte, ist eingeladen, am Vortag und am Tag des Konzertes an einem Workshop teilzunehmen, in dessen Rahmen es die besondere Möglichkeit gibt, diese Vokalpolyphonie aus der originalen Chorbuchnotation zu lesen. So werden einige Sätze im Konzert durch Vokalensemble und Publikum gemeinsam erklingen. Ob «nur» zum Zuhören oder auch zum Mitsingen: Herzliche Einladung zu diesem etwas anderen Weihnachtskonzert!


Informationen und Anmeldung zum Workshop: hello@rerenaissance.ch oder +41 79 7448548
 

Doron Schleifer, Rui Stähelin, Federico Sepulveda, Matthieu Romanens – Gesang
Ivo Haun – Gesang

 

31. Januar 2021

Frölich Wesen

Das Liederbuch des Riehener Reformators Ambrosius Kettenacker

Als Ambrosius Kettenacker seine Liedersammlung 1510 verschenkte, war er gerade einmal 17 Jahre alt und hatte seine Studien in Basel bereits hinter sich. Sein noch jüngerer Freund Bonifacius Amerbach war der glücklich Beschenkte, der zu gegebener Zeit eine viel grössere Musiksammlung anlegen würde. Kettenackers Liederbuch aber war der Grundstein und ist heute noch das älteste Stück im Amerbach-Kabinett. Einst bestand es aus vier Stimmbüchern, von denen aber nur das Bassstimmbuch die Zeiten überdauerte. Im Programm erklingen eigens rekonstruierte Sätze des Liederbuchs, denn ein Grossteil der Lieder findet sich in anderen zeitgenössischen Quellen wieder. Auch das berühmte «Innsbruck, ich muss dich lassen» ist darunter, jedoch mit einer Bassstimme, die sonst nirgends zu finden ist. Es gibt also auch Einmaliges zu hören.

 

Grace Newcombe – Gesang, Clavisimbalum
Jacob Lawrence – Gesang

Katharina Haun – Zink

Baptiste Romain – Vielle, Renaissancevioline, Klein Geige

Tabea Schwartz – Gross Geige

Elizabeth Rumsey – Gross Geige

Marc Lewon – Laute, Gross Geige, Gesang

28. Februar 2021

Paper, Ink, and Pen

Die fünf Stimmbücher des Kalligraphen Robert Dow: ein musikalisches Selbstportrait (1581/88)

William Byrd, Thomas Tallis, Robert White und John Bull: dies sind die Lieblingskomponisten des Herrn Dow und mit ihnen werden wir eine musikalische Stunde verbringen. Man stelle sich vor: Der berühmte Kalligraph Dow hat zur abendlichen Gesellschaft geladen. Wir schauen den geladenen Gambist*innen und der Sängerin über die Schulter, wie sie zusammen musizieren und aus einer Mischung geistlicher Motetten und weltlicher Madrigale eine musikalische Landschaft erschaffen, die sie mit Instrumentalstücken und Consortliedern genüsslich durchwirken. Die fünf kleinen Stimmbücher mit wunderschön gesetzter Musik auf fünf roten Notenlinien sind nicht nur Spiegelbild des musikalischen Geschmacks der Zeit, sondern entpuppen sich als persönliches Tagebuch des Robert Dow: Ein Vergnügen für Aug’ und Ohr.

 

Monika Mauch – Sopran
Randall Cook, Brigitte Gasser, Caroline Ritchie und Tabea Schwartz – Viola da Gamba

Elizabeth Rumsey – Viola da Gamba

ReRen

Basel

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