Renaissancemusik

 

Barfüsserkirche

Historisches Museum Basel

Jeden letzten Sonntag im Monat

um 17.15 Uhr

 

Eintritt frei, Kollekte

 

 

28. Juni 2020
Odhecaton 

«Einhundert Lieder», die die Welt veränderten

Als Basel im Juli 1501 der Eidgenossenschaft beitritt, ist der weltweit erste Musikdruck schon in trockenen Tüchern: einen Monat zuvor hatte Ottaviano Petrucci sein Erstlingswerk, das Harmonice Musices Odhecaton («Einhundert Lieder harmonischer Musik») in Venedig vorgestellt. Exemplare dieser Sammlung mehrstimmiger Musik fanden schnell ihren Weg über die Alpen und begeisterten hier mit zeitgenössischen «Hits» von Josquin Desprez, Okeghem und Co.

 

Grace Newcombe – Gesang, Clavisimbalum
Jacob Lawrence – Gesang

Katharina Haun – Zink

Baptiste Romain – Vielle, Renaissancevioline, Klein Geige

Tabea Schwartz – Gross Geige

Elizabeth Rumsey – Gross Geige

Marc Lewon – Laute, Gross Geige, Gesang

26. Juli 2020
Unerhörtes aus dem Loiretal


Neue Musik aus dem Leuven Chansonnier

 

Es geschehen immer wieder Zeichen und Wunder: Man glaubt, alle erhaltenen Quellen seien bekannt, alles, was noch da ist, sei im Wesentlichen erfasst – da taucht eine neue Quelle auf! Vor wenigen Jahren wurde eine Handschrift versteigert, die sich als Chansonnier der burgundischen Epoche herausstellte: eine Sammlung mehrstimmiger französischer Lieder aus dem Loiretal des späten 15. Jahrhunderts. Darin: bekannte Klassiker der grossen Komponisten, aber auch Überraschendes und Unbekanntes. Im Konzert erklingt eine Auswahl von Liedern des Leuven Chansonniers mit Sängern und Instrumenten, darunter auch einige noch «unerhörte» Melodien.

 

Tessa Roos – Superius
Jacob Lawrence – Tenor
Raitis Grigalis – Contratenor Bassus

Mara Winter – Traversflöte

Elizabeth Rumsey – Groß Geige

Marc Lewon – Laute, Groß Geige

30. August 2020 

Winds and Waves


Auf den Spuren des Schiffstrompeters Zorzi Trombetta

 

Was tun, wenn man ausgebildeter Trompeter ist und keine Arbeit hat? Warum nicht auf einem Schiff anheuern. Im Zentrum dieses Programms steht die persönliche Handschrift des italienischen Schiffstrompeters Zorzi (Georg) Trombetta. Offenbar hatte er neben offiziellen Funktionen (z. B. dem Signalgeben) auch für den Tanz aufzuspielen. Sogar mehrstimmige Chansons befanden sich in seinem Repertoire, wofür er offenbar mit weiteren lauten Bläsern einer «Alta Capella» zusammenspielte – einer festen Ensemblebesetzung aus Schalmei, Pommer und (Zug-)Trompete.

Hanna Geisel – Pommer
Ann Allen – Schalmei

Nathaniel Wood – Posaune

 

27. September 2020
Der mit den Wölfen heult


Hommage an den letzten Spruchsänger Michel Beheim (*1420)

 

Geboren vor 600 Jahren war Michel Beheim der letzte seiner Art, ein Sänger in der Tradition der Spruchdichter, die sich an den Höfen des Spätmittelalters verdingten und gegen bare Münze ihren Dienstherren Ehre verliehen. Beheims Worte: «wer bei den Wölfen wohnt, muss mit ihnen heulen» – ein Sprichwort, das wir als «wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’» kennen. Über 400 Lieder sind auf seine 11 Meistersingermelodien erhalten, zu jedem Thema: sei es ein Preislied auf die Universität, ein Scherzgedicht über eine unzüchtige Äbtissin, eine Warnung vor schlechten Sängern, eine Schimpftirade gegen Instrumente oder ein Gotteslob. Zwischen Beheims Liedern und Geschichten erklingt Instrumentalmusik, die zu seinem Leidwesen an den Höfen seiner Zeit immer beliebter wurde; neben der Alta capella war das Duo aus grosser und kleiner Laute sehr beliebt, weil sich damit die ganze Bandbreite mehrstimmiger Musik spielen liess.

 

Ivo Haun – Gesang
Crawford Young – Plektrumlaute

Marc Lewon – Plektrumlaute, Gesang

 

25. Oktober 2020
Il Capriccioso


Norditalienische Instrumentalmusik a commodo de virtuosi

 

In der Sammlung «Capricci in musica» von 1546 veröffentlicht Vincenzo Ruffo textlose Stücke mit virtuosem und spritzigem Charakter. Der kapriziöse Kompositionsstil zeigt sich dabei vor allem in Ruffos Bearbeitungen bekannter Madrigale seiner Zeit für ein instrumentales Trio. Die ursprüngliche Liedmelodie wird dabei von einer (instrumental ausgeführten) Stimme getragen, um die sich die anderen Stimmen im modernen Stil der Virtuosen bewegen. Ausserdem greift Ruffo auf Tanzmusik und Bassmodelle zurück. Diese Muster lässt er durch die Stimmen wandern, sodass seine Musik zwar eingänglich klingt, aber doch immer wieder überrascht. Ein dreistimmiges Blockflötenconsort im Dialog mit Tasten- und Perkussionsinstrumenten porträtiert Ruffo und die instrumentale Musik in seinem Umfeld.

Mira Gloor und Rachel Heymans – Blockflöten
Catalin Vicens – Perkussion, Tasteninstrumente

Tabea Schwartz – Blockflöte

29. November 2020

Nowell, nowell


Adventliche Carols des 15. Jahrhunderts

 

«Christmas Caroling» ist auch heute die englische Bezeichnung für das Singen in der Weihnachtszeit. Das war in der frühen Neuzeit nicht anders. Doch während man heute unter «Caroling» jenes feierliche Singen vornehmlich als eine weihnächtliche Begleitung versteht, wurden diese Liedblüten im England des 15. Jahrhunderts das ganze Jahr hindurch zu allen möglichen festlichen Anlässen aufgeführt: an religiösen Festtagen, politischen Events, kirchlichen Prozessionen und zu anderen Feierlichkeiten. Die englischen «Carols» waren meist nicht den ausgebildeten Musikern vorbehalten, was sich insbesondere in der Form des Mitsingens der «Burdens» (Refrains) zeigte. So laden wir die Zuhörer ein, eine Aufführungspraxis mitzufeiern, die die Menschen bereits vor 600 Jahren zusammengeführt hat.

 

Tessa Roos – Gesang, Glocken
Marc Lewon – Gesang, Plektrumlaute, Cetra, Viola d'arco
Rui Stähelin – Gesang, Plektrumlaute

Grace Newcombe – Gesang, Harfe, Clavisimbalum

Elizabeth Rumsey – Vielle, Viola d'arco

 

27. Dezember 2020 

Cantate!


Musik von Orlando di Lasso, zum Zuhören... und Mitsingen (mit Workshop)

 

Ein Gesangsquintett zelebriert weihnachtliche Musik des 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht das »Officium Natali Christi» des Münchner Hofkapellmeisters Orlando di Lasso. Das Programm wird mit adventlichen Motetten seiner Zeitgenossen Palestrina, Vittoria u.a. ergänzt. Wer möchte, ist eingeladen, am Vortag und am Tag des Konzertes an einem Workshop teilzunehmen, in dessen Rahmen es die besondere Möglichkeit gibt, diese Vokalpolyphonie aus der originalen Chorbuchnotation zu lesen. So werden einige Sätze im Konzert durch Vokalensemble und Publikum gemeinsam erklingen. Ob «nur» zum Zuhören oder auch zum Mitsingen: Herzliche Einladung zu diesem etwas anderen Weihnachtskonzert!


Informationen und Anmeldung zum Workshop: hello@rerenaissance.ch oder +41 79 7448548
 

Doron Schleifer, Rui Stähelin, Federico Sepulveda, Matthieu Romanens – Gesang
Ivo Haun – Gesang