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30. Januar

Reopening Gaffurius’ Libroni – Motetten in Mailand

Ende des 15. Jahrhunderts gehörte Mailand zu den bemerkenswertesten Musikzentren in Europa. Im internationalen Umfeld der Sforza-Herzöge gedieh eine Hofkapelle mit  talienischen, deutschen und vor allem franco-flämischen Sängern und Komponisten. Die Domkapelle wurde in dieser Zeit Franchinus Gaffurius anvertraut, einem massgeblichen Theoretiker und Maestro di cappella, dessen Todestag sich 2022 zum 500. Mal jährt. Er zeichnete verantwortlich für die Herstellung von vier grossen Manuskripten, den sogenannten «Libroni». In einem prestigeträchtigen Forschungsprojekt beleuchtete die Schola Cantorum Basiliensis die Libroni als einzige Quelle der Zeit für die polyphone geistliche Musik Mailands neu. Das Konzert fusst auf einer Kooperation zwischen der Schola Cantorum Basiliensis und
ReRenaissance.

Leitungsteam: Federico Sepúlveda – Gesang | Catherine Motuz – Posaune | Ivo Haun – Gesang | Agnese Pavanello – Forschung

Studierende der Schola Cantorum Basiliensis: Kimon Barakos, Silas Bischoff, Annelise Ellars, Amy Farnell, Robert Hernandez, Nathan Julius, Parvati Maeder, Julia Marty, Matthieu Romanens, Elizabeth Sommers, Caroline Sordia,  Henry van Engen und Arthur Wilkens – Gesang und Instrumente, Clément Gester (Zink)Ian Harrison – Pommer | Für ReRenaissance: Tabea Schwartz

27. Februar 2022 (17:15 & 19:15)

Canti B – Fortsetzung einer heimlichen Revolution  

Knapp 50 Jahre nachdem Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfunden hatte, war es endlich auch für die Musik soweit: 1501 legte Ottaviano Petrucci mit dem Odhecaton A in Venedig seinen ersten Notendruck vor und löste eine Welle an Innovationen in der Musikwelt des 16. Jahrhunderts aus, die bis heute unsere Kultur prägt. Aus diesem Grunde widmet ReRenaissance jährlich ein Konzert dem Musikschatz aus Petruccis Druckerei – in chronologischer Reihenfolge, um eine langfristige Perspektive auf diese bedeutende Entwicklung zu gewährleisten. Verglichen mit den Drucken, die vorausgingen und folgen sollten, ist Canti B verhältnismässig klein (nur 50 Stücke, wo Odhecaton A 100 umfasste), aber es enthält dennoch Musik von den bedeutendsten Komponisten der Zeit (Josquin, Compère, Obrecht, Brumel), gesammelt von einem Musiker am Schnittpunkt der europäischen Musikkultur.


Grace Newcombe – Gesang, Harfe, Clavisimbalum
Tabea Schwartz – Blockflöten, Viola d’arco
Claire Piganiol – Harfe, Portativ
Marc Lewon – Laute, Quinterne, Viola d’arco; Leitung       

 

27. März 2022 (17:15 & 19:15)

La Margarita – Tänze für die Königin 

 

27. März | La Margarita – Tänze für die Königin

Auf schwarzem Papier in goldener und silberner Tinte geschrieben präsentiert sich das Manuskript 9085 der Brüsseler Bibliothèque Royale Albert Ier durch und durch in royalem Gewand. In der Tat war die Widmungsträgerin Marguerite d’Autriche königlichen Geblüts und eine ausgesprochene Musikliebhaberin. Das Besondere an diesem kleinen Büchlein sind die Tanzschritte, die zu den meisten der Tenorlinien mit Buchstaben festgehalten wurden. Der Alta Capella- und Improvisationsspezialist Ian Harrison leitet ein Bläserensemble aus Schalmeien und Zugtrompete, das die Tänzer unter Leitung von Véronique Daniels begleitet und eine festliche Kulisse für die artifiziellen Schrittkombinationen bietet. So können Musik und Tanz für die Königin auch nach über 500 Jahren noch zur Aufführung kommen.

Véronique Daniels – Tanz; Rekonstruktion der Choreographien
Alain Christen – Tanz

Catherine Motuz – Renaissanceposaune
Josué Melendez – Zink
Raffaella Bortolini – Pommer
Ian Harrison – Schalmei, Pommer, Dudelsack; Leitung

Team ReRenaissance – Marc Lewon

24. April

Grünewalds Grossgeige – Taufe eines Spezialinstruments für ReRenaissance

Basel, 1511: Sebastian Virdung veröffentlicht seine «Musica getutscht» mit Beschreibungen aller Arten von Instrumenten, einschliesslich der gestrichenen, mit Bünden versehenen Grossgeige. Basel, 2021: Ein Geschenk von Hartmut Raguse führt zum Bau einer Grossgeige von Jacob Mariani nach dem Vorbild einer Abbildung auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald.

Engel und Teufel treten aus dem Gemälde heraus und spielen Musik von Senfl, Isaac und weiteren Zeitgenossen Virdungs in einem Musikprogramm für Klein- und Grossgeigen. Mit den Entwicklungen um 1500 war das Streichkonsort geboren und sollte sich in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts immer grösserer Beliebtheit erfreuen. Die polyphonen Quellen dieser Zeit – und darunter gerade die frühen Musikdrucke – laden ausdrücklich zu instrumentaler Ausführung ein, wobei die Grossgeige eigens als geeignetes Ensembleinstrument betont wird. Zwar spielten dabei seinerzeit auch Marketingüberlegungen eine Rolle, um mit den Spielern von Instrumenten eine breitere Kundschaft für die Drucke zu erschliessen. Die Sätze aber funktionieren wunderbar mit einem solch homogenen Ensemble, so dass ReRenaissance den zeitgenössischen Ratschlägen folgt und sich auf die Spur einer frühen Instrumentenfamilie begibt.

Baptiste Romain – Kleingeige | Marc Lewon – Laute, Grossgeige | Tabea Schwartz – Grossgeige | N.N. Gesang | Leitungsteam ReRenaissance:  Elizabeth Rumsey – Grossgeige


29. Mai
 

Im Mayen – Lasso zum Mitsingen

 

Zum Wonnemonat Mai gibt es bereits in der Renaissance unzählige Lieder. Liebesgedichte und lebensfreudige Texte mit einem jahreszeitlichen Bezug wie das berühmte Im Mayen hört man die Hahnen krayen werden auch bei Orlando di Lasso vertont. In diesem Konzert werden diese Stücke durch ein gemischtes Vokalquartett aufgeführt, das sich auf Instrumenten selbst begleitet und bisweilen kunstvolle Vokalverzierungen in die gesungenen Linien einfügt. Der besondere Klang des Lautenduos, das bereits im Septemberkonzert 2020 zu hören war, erfährt ein Comeback mit jüngerem Repertoire aus den späteren Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts. Aber nicht nur das Vokalquartet, sondern auch interessierte Chorsänger*innen erhalten die Möglichkeit, nach einem kleinen Workshop miteinzustimmen und von der originalen Notation Lassos berühmte Ensemblemusik aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.

 

Ivo Haun – Gesang, Laute; Coleitung | Jessica Jans – Gesang | Giovanna Baviera – Gesang, Gambe | Rui Stähelin – Gesang, Laute | Leitungsteam ReRenaissance: Tabea Schwartz 


26. Juni
 

Psalmy Dawida – Melodien für den polnischen Psalter von Mikołaj Gomółka (1580)

Neben der etwas früheren polyphonen Fassung des Genfer Psalters von Claude Goudimel ist Gomółkas Werk eine in der Renaissance einzigartige Komplettvertonung der Psalmen Davids. Gomółka schuf mit seinem Werk einen nationalen polnischen Kunststil. Auch wenn er sich dabei bekannter Tanzrhythmen und melodischer Formeln bediente, legte er grössten Wert auf die Verbindung zwischen Text und Musik und erreichte durch die Verwendung der farbigen und konsonantenreichen polnischen Sprache eine neue Qualität. Die auf den ersten Blick oft schlicht erscheinenden, bisweilen jedoch erstaunlich kunstvollen strophischen Lieder waren im Polen des ausgehenden 16. Jahrhunderts weit verbreitet und wurden von Katholiken wie Protestanten gleichermassen geschätzt. ReRenaissance interpretiert diese Sätze mit einer Mischung aus homogenen Streicher- und Zupferklängen, sowie einem Broken Consort aus beiden Instrumentengattungen. Während Harfe, Laute und Lirone für reiche harmonische Klangfarben sorgen, betonen die Gamben die polyphonen Linien der Psalmsätze.

Agnieszka Budzinska-Bennett – Gesang, Orgel, Leitung | Marc Lewon – Laute | Caroline Ritchie – Bassgambe und Lirone | Leonardo Bortolotto – Bassgambe und Diskantgambe | N.N. – Tripelharfe | Elizabeth Rumsey: Co-Leitung

31. Juli
 

Vasilissa ergo gaude – Die Motetten des Guillaume Du Fay
 

«Nun freue dich, Basel», so könnte man meinen, heisst der Anfang der frühesten Motette des burgundischen Komponisten Guillaume Du Fay in Übersetzung. Doch «Basilea» (oder «Vasilissa») ist ein vieldeutiges Wort und bedeutet im Griechischen eben auch «Königin». Dieses Werk war der angehenden Königin Cleofa aus dem Hause der Malatesta von Pesaro gewidmet, um sie zu ihrer Verheiratung nach Konstantinopel zu verabschieden. Und so wie diese, lassen sich die meisten von Du Fays Motetten mit einem ganz bestimmten Anlass – also einem Ort, einer Zeit und einer Geschichte – verbinden, was sie umso interessanter macht. Die «Motette» war vom Hochmittelalter bis in den Hochbarock eine der wichtigsten Formen von Vokalmusik und wandelte sich in dieser Zeit enorm. Dufays Motetten zeigen in ihrer Anlage immer noch die strenge Ordnung mittelalterlicher Kompositionstechniken, die er aber so meisterhaft beherrschte und dem Geschmack seiner Zeit anpasste, dass die Befolgung dieser Regeln seinem künstlerischen Ausdruck keine Grenzen setzte: hier weht der Geist der Frührenaissance durch die anspruchsvollen Konstrukte der Spätgotik, interpretiert durch das A-cappella-Ensemble von ReRenaissance.
 

Tessa Roos – Gesang, Co-Leitung | N.N., N.N., N.N., N.N. – Gesangsensemble | Coaching und Koordination: Marc Lewon


 

28. August

La Fontegara –
Hommage an Sylvestro Ganassi
 

«Ihr müsst wissen, dass alle Musikinstrumente […] im Vergleich mit der menschlichen Stimme einen geringeren Wert haben als diese. Eben darum bemühen wir uns, von ihr zu lernen und sie zu imitieren.» Dies ist der eröffnende Satz zum wichtigsten expliziten Blockflötenlehrbuch der Renaissance. Gedruckt in Venedig 1535 setzt die «Opera Intitulata Fontegara» bis heute Massstäbe für unser Musikverständnis und insbesondere das virtuose Spiel mit Diminutionen. Im Mittelpunkt dieses ersten grossen Werks Sylvestro Ganassis steht die Blockflöte, doch es enthält nicht etwa fertige Stücke, die man aufführen könnte. Es handelt sich vielmehr um eine stilisierte Momentaufnahme der Diminutionspraxis zu jener Zeit, die in diesem Konzert in eigenen Übertragungen und Improvisationen wiedererfahrbar werden soll. Entsprechend der klaren Anweisung aus dem ersten Kapitel der Fontegara kommt hierbei den Instrumenten vor allem die Aufgabe zu, «die menschliche Stimme mit all ihren Fähigkeiten nachzuahmen» und Ganassi ist überzeugt, dass der Blockflöte dieses Kunststück gelingen kann.
 

Tabea Schwartz – Blockflöte; Leitung | Andreas Böhlen – Blockflöte | N.N. – Gesang | N.N. –Tasteninstrumente | N.N. – Harfe

 

25. September 

Unitas et Varietas –
Erweiterte Formen und Miniaturen von 1547
 

Ein Gambenconsort in der Mitte des 16. Jahrhunderts hätte viele Arten von Repertoire gespielt, darunter auch die oft vernachlässigten instrumentale Ricercari. Dieser Praxis soll in diesem Konzert anhand von drei Sammlungen aus dem Jahr 1547 gewürdigt werden. Dank der besonderen Instrumentalfantasien von Jacques Buus machen sich so einige der Extreme der damals gespielten Instrumentalmusik bemerkbar. Instrumentale Ricercari können von einigen wenigen Phrasen bis hin zu etwas viel Längerem reichen; Jacques Buus' Ricercari sind dicht und kompliziert und gehören zu den längsten Stücken im Fantasiestil der Zeit. Das andere Extrem sind die Tänze in Attaingnants Sammlung, die Miniaturen der Form sind, winzige Pavanen und Galliarden gemischt mit Branles und Tourdions. Die dritte Säule des Gambenconsorts ist die Vokalmusik – hier liegt der Schwerpunkt auf dem unbekannten Dominique Phinot, dessen schöne fünfstimmige Motetten den Gamben grossen Spielraum für Wortmalerei und Verzierungen lassen.
 

Filipa Meneses – Gambe | Leonardo Bortolotto – Gambe | Alexandra Polin – Gambe | Ryosuke Sakamoto – Gambe und Laute | Elizabeth Rumsey – Gambe; Leitung

30. Oktober

Frisch gezwickt –
Ein Basler Lautenparcours
 

Im Kellergeschoss der Barfüsserkirche, Historisches Museum Basel, wurden einige der schönsten Renaissancestuben Basels für das Publikum rekonstruiert und eingerichtet. Mit ihren Holzvertäfelungen, Fenstern aus mundgeblasenen Butzenscheiben und schweren Möbeln waren es wohl solche Stuben, die im 15. und 16. Jahrhundert die eigentliche Kulisse für das Musizieren im privaten Raum stellten – und für diesen Zweck stand das Spiel auf der Laute an erster Stelle. Das Repertoire dazu wurde in Handschriften niedergelegt oder per Notendruck verbreitet – und es wurde eigens eine Notenschrift dafür entwickelt: die Lautentabulatur. Ob persönliche Abschrift oder Druck, die frühen Lautentabulaturen bergen das Repertoire, das hier erklang, denn diese Musik war für den Hausgebrauch gedacht, wurde in den Stuben und Kemenaten im kleinen Kreis – oder ganz für sich allein – gespielt und gehört. Für unseren «Basler Lautenparcours» warten vier Basler Lautenisten mit vier Kurzprogrammen auf und laden jeweils einen kleinen Zuhörerkreis ein, in ihre Kammer zu lauschen und am intimen Rahmen teilzuhaben. Dabei werden Solo-Lautenstücke aus Quellen des späten 15. bis späten 16. Jahrhunderts interpretiert, die häufig einen Bezug nach Basel aufweisen. Ein Rundgang durch die vier Stationen lässt so das Klangspektrum eines der beliebtesten Instrumente der Renaissance über ein Jahrhundert hinweg erfahren: die plektrumgespielte Laute des 15. Jahrhunderts ebenso wie die fingergezupften (oder im Jargon der Zeit: «gezwickten») Lauten des 16. Jahrhunderts.
 

Marc Lewon, Julian Behr, Peter Croton, Ziv Braha – Laute | Leitung: Marc Lewon

27. November

Transeamus: nach Bethlehem! –
Spanische Vokalpolyphonie
 

Um 1520 geboren, darf sich Francisco Guerrero schon im Alter von 17 Jahren «maestro de capilla» nennen. Sein Leben beginnt und endet in Sevilla, doch seine Berufung als Musiker und Priester führt ihn nicht nur nach Italien. Den Ausspruch der Hirten in der Weihnachtsgeschichte «Lasset uns ziehen nach Bethlehem!» setzt er 1589 in die Tat um und bereist das Gelobte Land. Seine Vertonung eben jenes Bibelzitats soll deshalb nebst anderen Motetten wieder erklingen. In diesem Konzert ermöglicht eine Kooperation zwischen ReRenaissance und der Schola Cantorum Basiliensis ein einmaliges Erlebnis: Wie im 16. Jahrhundert kommen Kinderstimmen und professionelle Sänger*innen in einer gemeinsamen Capella zusammen. Begleitet von typischen Instrumenten der spanischen Renaissance wird der Beginn der Adventszeit eingeläutet.
 

Ivo Haun – Gesang | N.N. , N.N.– Gesang | N.N. – Dulcian | Leitungsteam: Federico Sepúlveda, Ivo Haun, Tabea Schwartz

18. Dezember

Noël normand, Rouen 1474 –
Musik für Engel und Hirten
 

Rouen, 1474: Wie in den Städten und auf dem Land üblich wird die Weihnachtsgeschichte erzählt; man folgt dem bekannten Ablauf bis zum freudigen Abschluss mit der Heiligen Familie im Zentrum. Es lohnt sich aber, einen Schritt zurückzutreten und die Geschehnisse aus einer grösseren Perspektive zu betrachten; so rücken die vermeintlichen Neben-charaktere ins Blickfeld: Die Hirten machen sich auf den Weg nach Bethlehem und die Engel wachen über sie. Sie alle treten mit ihrer eigenen Musik in zeitgenössischen Kompositionen auf; Engel singen mit Laute, Harfe und Orgel, Hirten zu den pastoralen Klängen von Fidel und Flöte, Dudelsack und Drehleier. Die Verse des Rouen-Spiels werden nach Art der Zeit den Melodien aus wunderschön dekorierten Liederbüchern des Adels unterlegt und verschmelzen so zu einer einzigartigen Interpretation des traditionsreichen Werkes.
 

N.N. | Marc Lewon - Laute, Gesang | Leitungsteam: Elizabeth Rumsey, Marc Lewon, David Fallows