Hubert
Hazebroucq
Instrumente
Tänzer und Choreograf (Renaissance, Barock, Zeitgenössisch)
Wurzeln
Ich bin im Südosten Frankreichs aufgewachsen, in Die, einer alten Stadt am Fusse des Vercors-Massivs und an der Grenze zur Provence. Ich habe mir eine starke Verbindung zur Natur und zum Kulturerbe bewahrt, aber auch die Vorliebe für ausserhalb des Zentrums gelegene Aussichtspunkte.
Studium
Ich habe zunächst eine literarische Ausbildung absolviert, mit einer Masterarbeit über einen französischen Dichter des späten 16. Jahrhunderts. Parallel dazu habe ich in Lyon eine Ausbildung im zeitgenössischen Tanz absolviert, für den ich das staatliche Lehrerdiplom erworben habe. Ich habe den historischen Tanz ziemlich früh in meiner Karriere eher zufällig entdeckt und mich schnell in verschiedenen Kompanien weitergebildet, insbesondere bei Christine Bayle im Barocktanz und im Tanz der französischen Renaissance sowie bei Barbara Sparti im Tanz der italienischen Renaissance.
Beruflich
Ich bin Tänzer und Choreograf der 2008 gegründeten Compagnie Les Corps Eloquents. Ich werde regelmässig eingeladen, für Ensembles für Alte Musik zu arbeiten, wie beispielsweise Les Arts Florissants im Jahr 2022 oder seit 2015 Doulce Mémoire. Ausserdem habe ich Stücke für zahlreiche Festivals choreografiert (darunter ein Stück für 4 Tänzer und 6 Musiker, «Fête galante», beim Festival Oude Muziek Utrecht). Derzeit arbeite ich für zwei Duett-Stücken zusammen mit zwei Musikern: «La Flûte d’Arlequin» mit dem Flötisten Julien Martin, basierend auf den 12 Fantasien von Telemann, die den zwölf Monaten des Jahres zugeordnet sind, und «Le Ballet des passions» mit dem Cembalisten Jean-Luc Ho, das eine Auswahl an Choreografien präsentiert, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts notiert wurden.
Darüber hinaus unterrichte ich seit 2024 Renaissancetanz an der Schola Cantorum in Basel, seit 2021 historischen Tanz am Conservatoire de Paris sowie am Koninklijke Conservatorium in Brüssel. Ich gebe zahlreiche Meisterkurse für Tänzer und Musiker an Konservatorien, Musikhochschulen und Universitäten in Europa und den USA. Auch habe ich einen zweiten Master in Kunstwissenschaften mit Schwerpunkt auf dem Gesellschaftstanz des 17. Jahrhunderts absolviert und übe eine umfangreiche Tätigkeit als unabhängiger Forscher aus, wobei ich mich in verschiedenen Forschungsgruppen und -projekten engagiere; in dieser Funktion habe ich drei Stipendien des französischen Centre national de la danse erhalten. Zahlreiche Artikel veröffentlichte ich über die Technik und Poetik des Ball- und Bühnentanzes im 17. und 18. Jahrhundert und wirkte an der Organisation von wissenschaftlichen Kolloquien mit.
Warum
Ich hatte bereits eine grosse Affinität zur Alten Musik, als ich die Tänze des Barock und der Renaissance entdeckte, doch die Begegnung mit diesen Repertoires – und vielleicht noch mehr mit den Dokumenten, Abhandlungen und choreografischen Notationen – war für mich eine Offenbarung. Darin lag ein radikales Rätsel, das mich nach wie vor fasziniert und beschäftigt, und zugleich das Gefühl, dass diese Bewegungen, diese Choreografien vollkommen Sinn ergaben und mir eine Freude am Tanzen, eine Musikalität, eine Fantasiewelt und eine Poesie schenkten, die ich nirgendwo sonst fand. Ich spüre darin immer noch eine sehr lebendige Komplementarität zwischen einerseits sehr intellektuellen Kompositionsverfahren und einer fast rein abstrakten formalen Kraft und andererseits einer sehr starken Theatralik, in einer raffinierten Stilisierung oder im Gegenteil in einer sehr konkreten Unmittelbarkeit, die es ermöglicht, vom Gelehrten zum Populären, vom Geheimnisvollen zum Wörtlichen überzugehen und dabei mit vielfältigen Körpern zu experimentieren.
Auch wenn ich mich bemühe, so gut wie möglich historisch informiert zu sein und ständig zu recherchieren, um Repertoires wiederzubeleben und meine Kreationen zu bereichern, besteht das eigentliche Ziel meiner Arbeit als Choreograf nicht darin, eine illusorische Rekonstruktion anzustreben, sondern fokussiert sich vielmehr darauf, mich auf die Quellen zu stützen, um den impliziten Anteil an Tanz und Aufführung, dessen Spuren sie sind, neu zu beleben. Diese Repertoires, diese Techniken sind für mich nicht nur Regeln, Rahmenbedingungen oder festgelegte Stile, sondern Inspirationen für das Schöpferische, Anreize, immer weiter zu erforschen, sowohl in der formalen Ausarbeitung als auch in der dramaturgischen Relevanz, um diese alten choreografischen Praktiken mit unseren heutigen Praktiken, mit unseren Erwartungen, unseren Emotionen, unserem Vergnügen oder unserem Staunen zu verbinden.
Wahlverwandtschaft
Ich liebe es zu reisen und bin immer sehr neugierig darauf, neue Orte und andere Lebensweisen zu entdecken, die Welt zu sehen, aber auch zu bauen, zu essen, Musik zu machen, zu tanzen… Und ich habe eine Leidenschaft für historische Stätten, Architektur im Allgemeinen und Museen, von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst, sowie für die dekorativen Künste. Ich mache gerne einen Umweg, um mir eine Gemäldeausstellung oder ein Museum anzusehen, das ich noch nicht kenne.
Noch etwas
Habe ich deutlich genug gemacht, wie entscheidend Musik sowohl für meine Arbeit als auch für mein Leben ist? Alle meine Aufführungen, seit ich choreografiere, haben Live-Musiker mit einbezogen, weil mir diese Verbindung, ja diese Symbiose, für meinen Tanz notwendig erscheint. Das ist auch der Grund, warum ich es liebe, für Musiker zu unterrichten, denn es ist ein immer wieder neuer und anregender Dialog, in dem wir gemeinsam unsere Interpretationen neu erfinden müssen.
2026
März
Eisenhand
650 Jahre Oswald von WolkensteinSa Stadtkirche Liestal
So Barfüsserkirche Basel
April
Regola Rubertina
Ganassis virtuose ViolenSa Kirche Reigoldswil
So Barfüsserkirche, HMB
Mai
Fleuster une Chanson
Lied & Tanz in Attaingnants DruckenSa Klosterkirche Dornach
So Barfüsserkirche, Basel
Juni
Ach, wie grausam – A que vile
Lieder für eine mysteriöse DameSa Nydeggkirche, Bern
So Barfüsserkirche, HMB
September
Quodlibet
Rätsel, Spiel und SpassKirche Reigoldswil &
Barfüsserkirche, Basel
Oktober
The Queen’s Singers
Die extravagante Hofkapelle der TudorsMartinskirche
Basel
November
Byrd & the Baron
A secret ChristmasBarfüsserkirche
Historisches Museum Basel