swald von Wolkenstein (c1376–1445) – Politiker, Ritter, Weltreisender und zugleich Dichter, Musiker und Sagengestalt: Seine Lieder berichten von Abenteuern auf Fahrten durch ganz Europa, zum Konzil nach Basel (wo auch seine zweite Liederhandschrift angefertigt wurde), von einer Pilgerreise ins Heilige Land und von seinem Schiffbruch im Schwarzen Meer. Sie zeigen uns aber auch, wie innig er mit seinem Heimatland Südtirol verbunden war, wenn er von den kalten Wintern auf seiner Burg singt oder das Frühlingserwachen im Grödnertal eindringlich beschreibt. Seine schillernde Persönlichkeit liess ihn schliesslich zur lokalen Sagengestalt werden. Die Legende besagt, dass ein Zauberspruch auf seiner Hand lag, der ihn jedes Musikinstrument zerbrechen liess, das er anrührte. Daher nannte man ihn «Man de fyèr»: Eisenhand. Im Konzert werden diese beiden Pole des «letzten Minnesängers» zusammengefügt und mit seiner Legende verknüpft.
Grace Newcombe – Gesang, Harfe
Korneel Van Neste – Gesang
Raitis Grigalis – Gesang
Baptiste Romain – Fidel, Dudelsack
Julian Anatol Schneider – Erzähler
Marc Lewon – Laute, Gesang; Leitung
Eintritt frei – Kollekte
Sa 28. März 2026, 18:15 Uhr Konzert
Stadtkirche Liestal, Rosengasse 1, 4410 Liestal
So 29. März 2026
17:45 Uhr Intro (Prof. Dr. Marc Lewon)
18:15 Uhr Konzert
Barfüsserkirche, Historisches Museum Basel
Ich bin dabei!
David Fallows
Übersetzung: Marc Lewon
Die Behauptung, Oswald sei «der vielleicht bedeutendste Dichter in deutscher Sprache zwischen Walther von der Vogelweide und Goethe» gewesen, wurde so oft wiederholt, dass sie mittlerweile zum Klischee geworden ist. Nicht wenige seiner 132 erhaltenen Liedtexte sind langatmig oder wirken in ihrer Virtuosität selbstverliebt, aber es gibt auch genügend Gedichte, die wirklich brillant sind.
Auf der anderen Seite ist sein musikalischer Ruf immer weiter gesunken, weil die Zahl der identifizierten Anleihen von sechs im Jahr 1924 auf inzwischen insgesamt fünfzehn gestiegen ist. So verwenden jetzt fast die Hälfte der siebenunddreißig mehrstimmigen Lieder in seinen Handschriften mehrstimmige Sätze, die nachweislich aus anderer Feder stammten und ursprünglich Texte in anderen Sprachen hatten. Aber wenn er die mehrstimmige Musik anderer Leute für seine Zwecke eingesetzt hat, wollte er sie sicher nicht als seine eigene Leistung ausgeben. Seine Kunst sollte in diesen Fällen als die Kunst der Kontrafaktur wahrgenommen werden, also als das Erfinden neuer Texte über bekannte Musik. Es war keine Täuschung beabsichtigt, und man kann wohl sagen, dass seinerzeit niemand getäuscht wurde (bis zum Aufkommen der modernen Musikwissenschaft).
Aber wir haben darüber hinaus noch fast einhundert Lieder mit einstimmigen Melodien, die an die Traditionen der Trobadors und Trouvères im 12. und 13. Jahrhundert anknüpfen. Und diese werden in diesem Oswald-Konzert eine wichtige Rolle spielen. Sie stellen ihn obendrein in den Kontext seiner Heimatregion, die oft noch «Südtirol» genannt wird, weil die meisten Einwohner deutsch sprechen, obwohl sie heute zu Italien gehört und eigentlich «Alto Adige» heisst. So oder so bleibt Oswald eine der schillerndsten Figuren des 15. Jahrhunderts. Ich kann es kaum erwarten, diese neue Interpretation seines Lebens und seiner Zeit zu hören.
Sa Kirche Reigoldswil
So Barfüsserkirche, HMB
Sa Klosterkirche Dornach
So Barfüsserkirche, Basel
Sa Nydeggkirche, Bern
So Barfüsserkirche, HMB
Kirche Reigoldswil &
Barfüsserkirche, Basel
Martinskirche
Basel
Barfüsserkirche
Historisches Museum Basel